Milchmädchenrechnung

Nachdem ich zur Zeit über Facebook immer wieder mal Einladungen bekomme, mich am Tankboykott zu beteiligen(z.B. von dieser ‚Gruppe‘: Am 01.03.12 in ganz Deutschland nicht Tanken!!!!!!) hier ein paar persönlioche Gedanken dazu.

Zunächst ein Zitat aus dem Infotext von oben benannter Gruppe:

Ja, dieser eine Tag wird nichts verändern, aber es ist ein einmaliger, symbolischer Schlag in die Kassen der in Deutschland vertretenen Mineralölkonzerne.

Nun, der erste Teil dieser Aussage ist vollkommen richtig, denn ein einzelner Tag verändert rein gar nichts – die Ölkonzerne sind 1973 auch nicht pleite gegangen, als man wegen der ersten Ölkrise in Deutschland 4(in Worten: vier) aufeinanderfolgende autofreie Sonntage einführte, an denen kein “normaler“ Bürger mit dem Auto fahren durfte(am vierten durften dann schon wieder einige mit Ausnahmegenehmigungen auf die Strasse). Ganz im Gegenteil, die Ölkonzerne haben seinerzeit die Öllieferungen gedrosselt und waren sich der Folgen durchaus bewusst(etwas Lesestoff). Wie lange man Tankverzicht üben müsste, damit die Scheichs nachgeben? 1 Monat vielleicht. Vielleicht auch mehr. Villeicht wäre es denen völlig egal – denn dann verkaufen sie ihr Öl halt an die Chinesen… Man sollte jedoch nicht vergessen, dass unsere lieben Politiker auch nichts dagegen unternehmen. Hin und wieder meldet sich meist so ein Hinterbänkler, manchmal auch ein etwas Wichtigerer und verkündet Massnahmen gegen die Preistreiberei…passiert ist in all den Jahren noch nichts(die Meldung „Benzin auf Rekordhöhe“ ist ja nicht neu und taucht, zwangsläufig fast, in regelmässigen Abständen in den Medien auf, dann melden sich ein paar „nette“ Menschen zu Wort und ein paar Tage später widmet man sich dann wieder irgendeinem Krankheitserreger, der vermutlich ganz Liechtenstein auslöschen wird, oder so…) und wird es – vorerst – auch in Zukunft nicht, denn dazu ist der Einfluss und die Macht der Lobbyisten auf die deutsche Politik viel zu gross.

Der zweite Teil des obigen Zitates ist schlicht und ergreifend falsch. Er wird auch durch das Wörtchen „symbolisch“ nicht richtiger. Diejenigen, die sich derzeit dazu entschliessen, am 1. März nicht zu tanken, werden dies, je nach Fülle des Tankes, entweder kurz vor diesem Termin machen oder kurz danach(die „Kürze“ hängt natürlich auch von den gefahrenen Kilometern und des Fassungsvermögens des Tankes bzw. der getankten Menge ab), d.h. die Konzerne werden  ihr Geld so oder so erhalten… vielleicht müssen dann einige am 2. März, einem Freitag(der zumeist teuerste „Tanktag“ der Woche, was inzwischen sogar dem ADAC schon aufgefallen ist…), tanken fahren – da freut sich der Scheich doch um so mehr. Und mir soll keiner erzählen, dass er nicht notfalls doch zur Tanke fährt, falls mitten in der Pampa das Benzin knapp wird…

Von der knappen Million an zusagenden Teilnehmern, die die genannte FB-Gruppe bis morgen Mittag vermutlich erreicht haben wird, muss man vermutlich die Hälfte eh gleich wieder mangels Relevanz abziehen -wie z.B. jene, die kein Auto und/oder Fahrerlaubnis haben…; man kann das sehr gut mit der McDonalds-Boykott-Geschichte vergleichen…da haben auch wahnsinnig viele teilgenommen, die mit McDonalds so oder so nichts(mehr) am Hut hatten, entweder weil sie nur zum Konkurrenten gehen, oder weil sie nie Fastfood essen oder aber auch – was ich am besten fand – weil sie sich vegan ernähren…(ich fand das deswegen „am besten“, weil es jedem, der mit dem Begriff „vegan“ etwas anzufangen weiss, klar sein sollte, dass Menschen mit dieser Lebensphilosophie mit Ernährungstempeln dieser Form von vornherein nichts zu tun haben wollen… und wenn diese sich dann einer McD-Boykott-Gruppe auf FB anschliessen – da kann man auch Eulen nach Athen tragen.

Zum Ende noch eine Sache. Lasst uns mal annehmen, dass bis zum 29. Februar drei Millionen Menschen sich dazu entschliessen, am folgenden Tag nicht zu tanken. Lasst uns auch annehmen, dass auch jeder von den drei Millionen „relevant“ ist, also auch Auto fährt. Wieviele von denen werden an diesem einen besagten Tag wirklich tanken müssen – in der Annahme, dass sie sich so wie immer verhalten? 10, 20, vielleicht gar 30%? Weniger? Mehr?

Ich werde also, wie man sich denken kann, nicht zusagen, werde aber, aller Vorraussicht nach, an diesem Tag sowieso nicht tanken fahren…die armen Scheichs^^

Und ja, Benzin ist scheisseteuer, im Sommer 2010 haben wir noch, nach heutigen Stand, knapp 30 Cent weniger gelöhnt…aber wenn man die Karre braucht, braucht man halt auch den Sprit – und wenn man darauf verzichten kann, dann sollte man dies auch tun – zumindest wenn man aus dem Jammern nicht mehr herauskommt…

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1 Kommentar

  1. Die Politik hat doch gar kein Interesse daran, den Spritpreis zu senken, denn der Hauptteil der Spritkosten besteht aus Steuern. Erhöhen die Scheichs die Spritkosten (und das ist immer nur ein minimaler Betrag), verdient der Staat mit. Auf der einen Seite profitiert der Staat also von den Steuermehreinnahmen, auf der anderen Seite spürt der Einzelne nur das Loch im eigenen Geldbeutel. Und solange die Bürger weiterhin fleißig autofahren (was sie ja meistens auch müssen, um sich ihre Brötchen zu verdienen) und tanken, egal wie teuer der Sprit ist, wird auch nichts passieren. Vor 10 Jahren wäre es unvorstellbar gewesen, dass der Diesel mal über 3 Mark (!) pro Liter kosten würde. Heute mache ich den Tank voll, wenns mal günstige 1,46€/l kostet. Keine Ahnung wohin das mal führt, ich denke, der Wahnsinn hört erst auf, wenn der letzte Tropfen Sprit alle ist, um den die Welt sich dann kloppen wird – China, Amerika, Europa… Hoffe, dass bis dahin bessere Alternativen gefunden werden, auch wenn ich nicht glaube, dass irgendeine Alternative der automatisierten Fortbewegung jemals wieder günstiger sein wird als heute, denn es zeigt sich ja, der Bürger mault zwar, zahlt aber. Und ein Tag Tankpause tut keinem Ölmulti weh, nur dem Tankstellenpächter.

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